Mayla in Peru

El Niño – Jede Hilfe zählt!
Peru – ein vielfältiges Land

Peru ist ein wunderschönes Land!  Es gibt das Meer, den Strand (Costa), die Wüste, Anden (Sierra) und den Regenwald (Selva). Diese Diversität macht Peru einzigartig. Peru ist das Land der Kartoffel. Es gibt eine riesige Biodiversität in der Tier- und Pflanzenwelt. Die Archäologie und Geschichte des Landes ist super reichhaltig und spannend. Also dann: Nichts wie hin! So habe ich mich entschieden, meinen Auslandsaufenthalt nach dem Abitur in Peru zu verbringen. Im März 2017 (nachdem ich ein halbes Jahr einen Bundesfreiwilligendienst absolviert hatte) bin ich unter vielen Abschiedstränen in den Flieger gestiegen – und das ganz alleine! Ich bin noch nie ohne meine Eltern oder einen Lehrer in den Urlaub geflogen und ich war auch nie zuvor auf dem Südamerikanischen Kontinent. Ohne auch nur ein Wort Spanisch sprechen zu können, stand ich mit klopfendem Herzen am Flughafen in Lima.

Ankunft in Lima

Am Flughafenschalter hat mir der Beamte statt der mir rechtlich zustehenden 180 Tage nur ein 90-tägiges Visum ausgestellt. Meinwiederholtes Bitten fand leider kein Gehör. Die Grenzbeamten in Peru handeln oft willkürlich, jedoch denke ich im Nachhinein, dass diese Gegebenheit fast schon so etwas wie Schicksal war. Durch das kurze Visum musste ich nach drei Monaten in Peru ausreisen und habe so eine tolle Reise nach Ecuador gemacht, die ich sonst vielleicht nie angetreten wäre. Außerdem hielt das kurze Visum noch eine andere – ganz besondere – Überraschung für mich bereit, zu der ich später komme.

 

Am Flughafen in Lima angekommen hat mich Eduardo, der Betreuer von Peru in Farbe  herzlich empfangen. Schon war meine Aufregung verflogen. Ein gutmütiger älterer Herr, der sich liebevoll kümmert und mich sehr herzlich für die zwei Tage in seiner Familie aufgenommen hat. Ich habe mit seiner Mutter Fernseh geschaut und einen Abend saßen wir über Fotobücher gebeugt und Eduardo hat mir Geschichten seiner beiden erwachsenen Töchter erzählt.

Diese Art peruanische Gastfreundlichkeit, die ich bereits in meinen ersten zwei Tagen erfahren durfte, ist etwas ganz besonderes und ich habe während meiner Reise nie etwas anderes erlebt.

 

Túcume und das Phänomen El Niño

Am nächsten Tag bin ich mit dem Nachtbus von Lima nach Chiclayo gefahren. Der Bus konnte über drei Stunden nicht am Terminal halten, da viele Straßen überflutet und gesperrt waren. Im Februar und März 2017 kam es in Peru durch das „Phenominal del niño “ zu starken Regenfällen und Überschwemmungen. Die Folgen für das Land waren drastisch. Infrastruktur und Häuser wurden zerstört, Menschen und Vieh starben und Ernten gingen kaputt. Wenn ich mir vorstelle, dass ich nur 2 Wochen später nicht mehr von Lima nach Chiclayo  gekommen wäre, einfach weil die Panamericana zu stark beschädigt war, wird mir auch heute noch ein bisschen schwindelig.

 

Zu Túcume, wo ich insgesamt knapp ein Jahr gelebt habe, gehören insgesamt 37 „caserios“ (kleine umliegende Dörfer) . Hier wo die Armut am größten ist und die meisten Häuser aus Lehm gebaut sind, hat das Phänomen die Menschen am schwersten getroffen. So hat die Gemeinde Túcumes staatliche Hilfe in Form von Klamotten, Matratzen, Mosquitonetzen, oder Essenspakete in die Caserios geschickt. Ehrenamtliche Helfer der Gemeinde sind regelmäßig zu den Caserios gefahren und haben versucht diese Hilfen gerecht zu verteilen. Hier war ich als ehernamtliche Helferin natürlich sofort zur Stelle!

 

Helfen, wo die Not am größten ist!

Zu Beginn haben wir mit vielen Anwohnern der Caserios gesprochen, um herauszufinden, wo die Not am größten ist. Irgendwann sind wir dann bloß noch mit dem Truck vorbei gefahren, haben den Leuten einen Sack Reis oder Klamotten dagelassen und sind weiter gefahren. Die Not war überall groß. Hier zeigte sich mir die Hilflosigkeit des Staates und der einzelnen Bezirke bei einer solchen Katastrophe sehr deutlich. Bei unserer Ankunft in den unterschiedlichen Dörfern waren die Menschen jedes Mal unglaublich erstaunt, mich, eine riesige, weiße und blonde Europäerin zu sehen.  In jedem Caserio, das wir besuchten, musste ich Bilder mit den Menschen machen und wurde mehrmals zum Essen eingeladen, obwohl wir ansich sofort wieder weiter mussten.

 

Spanisch mit Händen und Füßen

In dieser Zeit, in der ich in der Freiwilligengruppe „Unidos por Túcume“, geholfen habe, sammelte ich nicht nur viele tolle Erfahrungen, sondern habe auch Freundschaften geknüpft, die das ganze Jahr (und noch darüber hinaus) halten sollten. Und das obwohl ich mich noch mit niemanden verständigen konnte.

Es ist sehr beeindruckend, wie gut die Kommunikation mit Händen und Füßen funktioniert. Irgendwie versteht man sich doch immer. Wie schnell man eine Sprache lernt ist genauso beeindruckend – in 2-3 Wochen konnte ich sagen, dass ich Hunger habe und im Restaurant Essen bestellen. Nach nur 3 Monaten konnte ich mich mehr oder weniger flüssig auf Spanisch unterhalten.

 

Meine Gastfamilie sind tolle Menschen und ich bin froh, peruanische Gastfreundschaft wirklich kennengelernt zu haben. Bald war ich von allen als „Hermana“ (z. Dt. Schwester) akzeptiert und der kleine zweijährige Sohn meines Gastbruders  hat mich bald nur noch “Pia“ genannt. Das wurde dann auch mein Spitzname. Mein Projekt  in der Dorfschule „Las Reynosas“ war auch eine ganz besondere Erfahrung. Es ist einfach schön mit Kindern zu arbeiten, weil sie einem sehr viel zurück geben. Der Unterricht hat immer Spaß gemacht und auch die Profesora Ful und die Profesora Carmen sind tolle Kolleginnen. Grundsätzlich gab es viele Möglichkeiten, spannende Freiwiligendienste für sich zu finden.

Im Oktober haben mich meine Eltern besucht. Sie waren ziemlich überrascht und überfordert mit der Situation: Plötzlich wird man beim Dorfrundgang von allen begrüßt, mit stürmischen Umarmung und Wangenküsschen empfangen und mehrmals am Tag zum Essen eingeladen.

 

Wie mir ein zu kurzes Visum alle Türen in Peru öffnete

Neben meinem  bin ich das ganze Jahr über viel gereist und habe sehr viel von dem Land gesehen. So bin ich immer zusammen mit peruanischen Freunden nach Moyobamba, Chachapoyas, Mancora, Piura, und Tumbes gereist. Tumbes ist eine Stadt direkt an der ecuadorianischen Grenze. Der kurze Abstecher nach Ecuador hatte die Verlängerung meines 90-tägigen Visums zum Ziel. Hier kam dann die große Überraschung! Durch die Gutmütigkeit eines peruanischen Grenzbeamten, habe ich statt der noch verbleibenden 90 Tagen, weitere 180 Tage ausgestellt bekommen.

 

So entschied ich mich, meinen Aufenthalt in Peru um ein halbes Jahr zu verlängern und hatte Zeit für weitere, außergewöhnlich schöne Reisen. Ich war in Cusco, Machu Piccu, Arequipa und Puerto Maldonado. Auf all diesen Reisen bin ich zusammen mit peruanischen Freunden, meinen Eltern, einer deutschen Freundin aus Chiclayo, oder meinem damaligen Freund unterwegs gewesen. Die letzte sollte dann aber nochmal ganz anders werden.

 

La Selva

Als krönenden Abschluss dieser vielen Reisen bin ich im Januar,  kurz vor meiner Rückkehr nach Deutschland, nach Iquitos gereist. Und diesmal ganz alleine! Iquitos ist die Hauptstadt der Selva. Drei Tage mit einem Schiff von Yurimaguas über den Amazonas nach Iquitos. Essen und trinken gab es an Bord, geschlafen wurde in einer Hängematte. Der Regenwald Perus ist wunderschön und birgt viele Wunder, die es zu entdecken galt.

 

Ich habe mich auf dem Boot sofort mit zwei Deutschen, einer Amerikanerin, einer Britin, einem Norweger und einigen Argentiniern angefreundet. Bald waren wir die Gringo- Truppe. „Gringo“ ist ein perunanischer Ausdruck, welchen die Menschen für Ausländer oder speziell Amerikaner benutzen. Unsere Gruppe wurde so unzertrennlich, dass wir beschlossen, auch weiter zusammen zu reisen. Wir mieteten uns eine Ferienhaus mitten im Regenwald. Die Kosten lagen bei grade mal 100 Soles pro Person (etwa 20 Euro), solange wir ein bisschen bei den Arbeiten auf dem Hof anpacken würden. Insgesamt bin ich hier 8 Tage geblieben und habe meine Zeit mit Wanderungen im Dschungel, mit Schwimmen im Amazonas und interessanten Gesprächen verbracht. Danach ging es über dieselbe Route wieder zurück nach Chiclayo und dann auch bald wieder nach Hause nach Deutschland.

 

Fazit

Alle meine Reisen waren wunderschön und haben mir einen einzigartigen Einblick in die Kultur, das Land und die Leute gewährleistet. Während meiner Reisen hatte ich die Möglichkeit  spannende Menschen aus aller Welt kennenzulernen.

 

Währen meines Aufenthaltes habe ich unbeschreiblich viel über mich und die Welt gelernt. Ich habe neue Seiten an mir entdeckt – z.B. die künsterlischer bei einem Kunstkurs vor Ort, habe eine neue Sprache gelernt und hatte vor allem die Möglichkeit, eine neue Kultur kennen zu lernen und  viele neue Freundschaften zu schließen.

 

Vielen Dank an Peru in Farbe!