Unsere Zeit im Waisenheim

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Unsere Zeit im Waisenheim

Nuestro tiempo inolvidable en Perú

¡Hola! ¿Qué tal? Hier sind Verena und Matthias aus der Nähe von München. Wir möchten euch nachfolgend etwas von unserer unvergesslichen Reise mit Peru in Farbe und unserem Freiwilligendienst im Waisenheim erzählen.

Nach langer Planung – etwa ein dreiviertel Jahr im Voraus – machten wir uns kurz nach Ostern 2017 mit zwei großen Rucksäcken und fünf Monaten im Gepäck auf zu unserem Abenteuer Südamerika! Voller Vorfreude und Neugier kamen wir zuerst in Lima, der Hauptstadt Perús an, wo wir unsere ersten drei Tage auf dem neuen Kontinent verbringen durften. Nach einem kurzen Abstecher in die Andenmetropole Cusco und die nahegelegene Inkastätte Machu Picchu, fuhren wir mit dem Nachtbus von Lima aus in das zehn Stunden nördlich liegende Trujillo. Schon auf dem Weg nach Trujillo konnten wir erahnen, welche Ausmaße der diesjährige “El niño” mit seinen Überschwemmungen und Schlammlawinen auf die Region und die dortlebende Bevölkerung haben musste. Umso erstaunlicher fanden wir es deshalb, wie fröhlich, offen, freundlich und positiv die Menschen trotz dieser kürzlich über sie hereingebrochenenen Naturkatastrophe waren.

 

Ankunft in Trujillo

Vom Busbahnhof wurden wir von unserem Koordinator Becker abgeholt und zu unserer Gastfamilie, die wir inzwischen nur noch unsere zweite Familie bzw. Heimat nennen, gebracht. Am Haus unserer “familia peruana” angekommen, erwarteten uns Papa Teo (70), Mama Rosa (66) und unsere Gastschwester Evelyn (29) schon sehnsüchtig. Sie empfingen uns mit offenen Armen und freuten sich genauso wie wir, dass das Warten nun endlich ein Ende hatte und wir uns persönlich sehen konnten. Aufgrund der anfänglichen leichten Sprachbarriere – Verena sprach bei Ankunft nur ein klein wenig spanisch, Matthias konnte außer “¡hola! und ¿qué tal?” keinerlei spanisch – verlief das erste Kennenlernen mehr oder weniger mit Händen und Füßen. Dies sollte sich aber im Laufe unseres Aufenthaltes und unserer Projektteilnahme im Waisenheim noch ändern!

 

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Freunde in Peru

An unserem ersten Abend in Trujillo wurden wir auch sofort von Becker und seinen peruanischen Freunden zu einem gemeinsamen Grillen mit anderen deutschen Freiwilligen auf Beckers Dachterasse im Strandort Huanchaco eingeladen. Dies ermöglichte uns bereits an unserem ersten Tag Kontakt zu Gleichgesinnten sowie Einheimischen in unserem Alter und verhalf uns, schnell Anschluss in Trujillo zu finden. Recht bald kristallisierte sich eine Art harter Kern der Gruppe heraus, der sich auch tatsächlich alle paar Tage untereinander traf. Dank der Gastfamilie und unserer neuen deutschen und peruanischen Freunden, fühlten wir uns nie unwohl in der neuen Umgebung oder hatten gar Heimweh. Wir kochten ab und an gemeinsam, unternahmen Ausflüge, besuchten Festivals oder gingen nahezu jeden Samstag als große Gruppe in Trujillos größten Club AMA.

 

Die Gastfamilie

Auch die Gastfamilie zeigte uns viel und nahm uns überall mit hin, wodurch wir tief in die peruanische Kultur einsteigen konnten. So wurden wir an Muttertag zur Familie unserer Gastmama eingeladen, wir feierten den Geburtstag von Matthias mit einer von Verena, der Gastfamilie und unseren Freunden organisierten Überraschungsparty, luden alle zum Champions League-Finale zu uns nach Hause ein oder besuchten anlässlich des Geburtstages unserer Gastschwester eine andere Stadt. Auch kulinarisch wurden wir an die vielfältige peruanische Küche herangeführt und so durften wir jeden Tag eine neue Frucht oder ein neues Gemüse probieren.

 

Sprachkurs

Abgesehen davon waren wir natürlich auch nach Peru und speziell nach Trujillo gereist, um spanisch zu lernen und uns zusätzlich sozial zu engagieren. In den ersten vier unserer insgesamt neun Wochen vor Ort, hatten wir bei Becker einen intensiven Sprachkurs um die Spanische Sprache zu erlernen. Dank der Gastfamilie, welche ausschließlich spanisch sprach, waren wir glücklicherweise mehr oder weniger gezwungen, ab dem ersten Tag die für uns neue Sprache zu erlernen und anzuwenden, weshalb sich auch schnell die ersten Erfolge einstellten. Inzwischen haben wir beide ein ausreichendes Basiswissen angehäuft, dass wir uns ohne Probleme mit der Gastfamilie verständigen können und auch in unserem Projekt im Waisenheim und auf unserer weiteren Reise durch spanischsprachige Länder größtenteils keine Probleme hatten.

 

Unser Freiwilligendienst im Waisenheim

Nach diesem Monat des Lernens, wurden wir von Becker an unsere beiden Projekte herangeführt. Da wir mit Joshi bereits einen anderen Freiwilligen, der ebenfalls mit Peru in Farbe in Trujillo war, kannten und ihn auch schon vor unserer eigentlichen Zeit bei seinem Projekt im Waisenheim unterstützten, gab es mit den Waisenkindern des Waisenheims „Mundo De Niños” keine Kennenlernphase mehr, wodurch wir gleich beginnen konnten, die Kinder bei ihren täglichen Herausforderungen zu unterstützen bzw. uns mit ihnen zu beschäftigen.Wir konnte ihnen somit etwas schenken, das ihnen spürbar sehr viel gibt: Zeit und Aufmerksamkeit. Wöchentlich verbrachten wir 2-3 Nachmittage mit den Kindern in Huanchaquito.

 

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„Las Lomas“

Hauptaufgabe unserer Projektzeit in Trujillo war  das Unterstützen der Lehrkräfte in Las Lomas, einem Stadtteil Huanchacos, knapp zwölf Kilometer von Trujillo entfernt. Zwölf Kilometer hört sich nun erst einmal nicht weit an, mit Trujillos verrückten Stadtbussen und dem in Europa unvorstellbaren Verkehrschaos kann diese Fahrt aber gut und gerne einmal eine Stunde dauern – und diese Fahrten werden uns auch ein Leben lang in Erinnerung bleiben. Las Lomas muss man sich so vorstellen: Es ist eine sehr arme Gegend in der es außer Sandstraßen und Straßenhunden nicht viel gibt und trotzdem sind die Menschen dort unglaublich freundlich, hilfsbereit und offen. Wir wurden von Tag eins an mit offenen Armen aufgenommen und man merkte schnell, wie dankbar die Menschen dort sind, etwas Unterstützung zu bekommen.

 

Unterricht im Schulprojekt

Unsere Schule war aufgeteilt in Kindergarten, Vorschule sowie erste bis sechste Klasse der Primaria, wobei jeweils erste und zweite, dritte und vierte und fünfte und sechste Klasse sich einen Klassenraum sowie Lehrerin teilten. Verena wurde der ersten und zweiten Klasse zugeteilt, Matthias durfte in der Vorschulklasse mithelfen. Schnell wuchsen uns die Kinder ans Herz und mit den meisten verstanden wir uns auf Anhieb und so spielten wir mit allen in den Pausen und auch noch nach dem regulären Schulende Fußball oder Volleyball. Unsere eigentliche Aufgabe in der Schule war aber das Unterstützen der Lehrkräfte. So konnten wir bei verschiedenen Schulprojekten helfen, die Kinder zu Ausflügen begleiten und stellenweise sogar den Unterricht, bevorzugt den Englischunterricht, übernehmen und somit bekamen die Kinder einmal einen anderen Blickwinkel auf das zu Erlernde.

 

Jeder hilft!

Wie oben bereits erwähnt wurden wir auch mit herausfordernden Themen konfrontiert. Welche Armut in dieser Gegend Perús vorherrscht, wird durch nachfolgende Beispiele verdeutlicht. So fiel in der ersten Woche der Strom aus, welcher auch unsere ganze Praktikumszeit über nicht wieder hergestellt werden konnte und ein paar Tage später ging auch noch das Wasser im dafür vorhergesehenen Tank aus. Somit hieß es improvisieren, es wurden alle Eltern mobilisiert und jeden Tag brachte jemand anderes einen Eimer Wasser mit, um wenigstens einmal Händewaschen zu können. Auch kommen viele Kinder ohne gefrühstückt zu haben in die Schule, hier hat aber der peruanische Staat ein Hilfsprogramm eingerichtet, welches jedem Kind eine kleine Dose Milch sowie ein Brot und Ei zum Frühstück zur Verfügung stellt.

 

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Das große Herz Perus!

Wie gutherzig die Peruaner aber sind, zeigte sich vor allem in der letzten Woche unseres Praktikums. So wurde für uns gebastelt und am letzten Tag sogar ein Abschiedsfest organisiert. Hier war es allen wichtig, ungeachtet ihrer aktuellen Situation etwas beisteuern zu können und so brachte jeder einen Teil des Büffets mit und es waren ausnahmslos alle Kinder mit mindestens einem Elternteil gekommen. In bester Erinnerung bleibt uns somit vor allem die warme Art der Peruaner sowie das Lächeln der Kinder, wenn sie das erste Mal ihren Namen richtig schrieben, man mit ihnen Fußball spielte und sich einfach Zeit für sie nahm, ihnen zuzuhören. Oftmals sind es nämlich einfach nur die kleinen Dinge, die ein peruanisches Kinderherz zum hüpfen bringt und was gibt es Erfüllenderes als etwas Gutes getan zu haben?

 

Ein großes Dankeschön

Bedanken möchten wir uns bei all unseren Wegbegleitern in Trujillo, vor allem bei unserer Gastfamilie, unseren Freunden vor Ort, den Lehrerinnen und den Kindern im Waisenheim, für ihre offene und ehrliche Art und Weise, mit der sie uns ihr ganz persönliches Peru gezeigt haben.

Ein ganz besonderer Dank geht dabei auch an Peru in Farbe. Ihr habt es uns ermöglicht, eine zweite Heimat und Familie zu finden, eine neue Sprache zu erlernen und vielen Kindern, die oftmals nicht auf der Sonnenseite im Leben stehen und trotzdem das Beste aus ihrer Situation machen, ein Lächeln zu schenken.

Wir möchten alle, die darüber nachdenken etwas ähnliches zu tun und vielleicht gerade diesen Text gelesen haben, ermutigen, sich zu trauen die Komfortzone Deutschland zu verlassen und in einem so gastfreundlichen und wunderschönen Land eine neue Kultur und Sprache kennenzulernen sowie etwas Gutes zu tun.

Perú und Peru in Farbe bieten euch dafür eine optimale Basis.

¡Gracias por todo y hasta pronto!

¡Un abrazo fuerte!

 

Verena & Matthias
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