Joshua im Tierprojekt

Joshua im Tierprojekt
Meine Reise

nach Peru begann sehr abenteuerlich. Eine Woche vor meiner Ankunft wütete der Sturm „el niño“, der vor allem an den Küsten und im Norden Perus große Schäden verursachte. Überschwemmungen zerstörten Häuser,Straßen und vieles mehr. Deshalb kontaktierte mich Sebastian von „Peru in Farbe“ vorab und sagte, es würde eine Planänderung geben.  Ich konnte nicht, wie geplant von Lima mit dem Bus nach Trujillo fahren, da die Hauptstraßen in den Norden größtenteils unbefahrbar waren. So wurde ich von Eduardo in Lima herzlich empfangen, verbrachte dort eine Nacht und flog am nächsten Tag zu der wunderschönen Stadt Trujillo, die jedoch zum Zeitpunkt meiner Ankunft durch den Sturm an vielen Orten verwüstet war.

Trujillo

Der kleine Flughafen in Trujillo war rundherum mit Sandsäcken gegen weitere Überschwemmungen abgesichert, weshalb keine Fahrzeuge direkt auf das Flugzeuggelände gelangen konnten. Vor Ort erwartetet mich mein Spanischlehrer und Ansprechpartner „Becker“ von „Peru in Farbe“, der mich zu einem Taxi brachte. Gemeinsam fuhren wir zu meiner Gastfamilie. Auf dem Weg in das Zentrum von Trujillo, wo die Familie wohnte, mussten wir immer wieder Schlaglöchern ausweichen und durch große angetrocknete Schlammschichten fahren. Alle Straßen und Grünstreifen waren durch Schlamm bedeckt, was die Überschwemmungen mit sich brachten. Vorbeifahrende Autos wirbelten immer wieder große Staubwolken auf. Endlich angekommen, saß bereits meine komplette Gastfamilie erwartungsvoll auf der Couch im Wohnzimmer und empfing mich mit offenen Armen. Auch wenn ich zunächst kein einziges Wort verstand, spürte ich ihre Herzlichkeit und „Becker“ übersetzte das Notwendigste für mich. Er erklärte mir, dass die Familie mich aufgrund fehlender männlicher Unterstützung und nicht vorhandener Wasserversorgung bittet, gemeinsam mit dem Onkel am nächsten Morgen Wasser von einem vorbeifahrenden Wassertruck für die Familien zu holen. Das war in der ersten Woche mein allmorgendliches Ritual. Eine Woche später gab es dann wieder Wasser, aber auch nur gegen drei Uhr morgens für zwei oder drei Stunden.

 

 

Spanisch

Den Rest des Tages verbrachte ich damit, die Spanische Sprache zu lernen. Jeden morgen lernten ich mit „Becker“ vier Stunden auf der Dachterrasse in Huanchaco, einem Vorort von Trujillo, mit Ausblick auf das Meer. Von Tag zu Tag merkte ich, wie die Spanische Sprache für mich verständlicher wurde. Nach drei Wochen war mein Spanisch so gut, dass ich direkt in die von mir ausgesuchten Projekte starten konnte. Hilfreich war, dass ich über „Becker“ jede Menge peruanische Jugendliche kennenlernte, mit denen ich nur Spanisch sprach. Ab der vierten Woche fuhr ich mit dem Bus eine knappe halbe Stunde zu einem kleinen Zoo in der nähe von Trujillo. Vier Stunden täglich half ich dort beim Putzen und Aufbauen der Gehege, Aufräumen, Füttern der Tiere und verrichtete Gartenarbeiten. Bei großem Besucherandrang im Zoo durfte ich Führungen machen. Während die Zooarbeiter mir am Anfang noch recht wenig zutrauten und mir deshalb nur leichte Aufgaben zuteilten, gewann ich von Zeit zu Zeit immer mehr deren Vertrauen und durfte schlussendlich Aufgaben verrichten die anspruchsvoller waren. Nach der zweiten Woche dort hatte ich freie Hand mit den Tieren und wurde von den Zooarbeitern zum gemeinsamen Frühstück eingeladen. Die Arbeit machte mir riesengroßen Spaß – vor allem die ausgebrochenen Hühner einzufangen oder den Besuchern die Schlangen vorzuführen.

 

 

Soziales Projekt

Nach meinen morgendlichen Tätigkeiten im Zoo ging es am Nachmittag weiter zu meinem zweiten Projekt dem Mundo de niños in Huanchaquito. Das Mundo de niños ist gemeinnütziger Verein, indem momentan 19 Kinder mit Unterkunft, Essen und Betreuung versorgt werden. Dort machte ich täglich mit einer Gruppe von drei bis vier Kindern Film- und Fotografieprojekte. Ich ging mit den Kinder verschiedene Filmtechniken, wie Stopmotion oder Timelapse durch, erklärte ihnen das Bedienen einer Spiegelreflexkamera und fuhr anschließend an interessante Orte, um kleine Filmprojekte durchzuführen. Unter anderem fuhren wir zu bekannten Kirchen, an den Strand von Huanchaco, der Ausgrabungsstätte Chan Chan oder in die Innenstadt von Trujillo. Sichtbar waren die Kinder von den Filmprojekten begeistert und schlossen mich schnell in ihr Herz. Jeden Tag aufs Neue bereiteten mir die Kinder jede Menge Spaß, da sie sich voll und ganz in die Filmprojekte einbrachten. Am Ende der Woche gab es zum Abschluss immer eine Runde Fußball auf dem örtlichen Bolzplatz. Fasziniert hat mich, wie glücklich die Kinder waren, obwohl sie ihre Eltern lange nicht gesehen hatten und außer ihren meist zwei Fußballshirts kaum etwas besaßen.

 

 

Gastfamilie

Nach der Arbeit im Zoo am Vormittag und der Arbeit im Kinderheim am Nachmittag, genoss ich die Zeit mit meiner Gastfamilie und unterhielt mich mit ihnen ausgiebig am Abendessen über verschiedene Kulturen und die Unterschiede unserer Länder. Täglich bereitete meine Gastoma die verschiedensten peruanischen Köstlichkeiten vor und brachte mich so der unbeschreiblichen leckeren peruanischen Küche näher. Von Vorspeise bis Nachtisch fehlte nichts. Mit meiner Gastschwester buk ich „alfajores“ (peruanische Kekse), die sie dann an ihrer Uni verkauft hat. Der Onkel meiner Gastfamilie hatte ein Motorrad, welches er aber aus Angst vor dem peruanischen Verkehr nicht benutzen wollte. Ich brachte ihm deshalb Motorradfahren bei. Meine Gastfamilie stellte mir das Motorrad zur Verfügung und so konnte ich damit kurze Einkäufe erledigen, meine Gastschwester morgens zur Uni fahren oder einfach für mich die Gegend erkunden. Nach wie vor unternahm ich viel mit „Becker“ und obwohl der Spanischkurs längst zu Ende war, wurden und immer wir richtig gute Freunde. Trotz der nur zwei Monate in Trujillo lernte ich unglaublich viele Leute kennen, die mir ebenso zu Freunden wurden. Wir gingen zusammen an den Strand, spielten Fußball, aßen zusammen  oder feierten am Wochenende. Auch traf ich mich regelmäßig mit anderen Freiwilligen aus Deutschland, die mit anderen Organisationen vor Ort waren und tauschte mich mit ihnen über ihre Erfahrungen aus.

 

 

Abschied

Nach meinem zweimonatigen Aufenthalt, hieß es von meiner Gastfamilie, „Becker“ und meinen neuen Freunden Abschied nehmen. Ich startete meine fünfwöchige Rundreise durch das wunderschöne Peru zum Colca Canyon in Arequiepa, dem Titicacasee, dem Machu Picchu und dem Regenwald im Süden Perus. Der Abschied von meinen Projekten viel mir sehr schwer. An meinem letzten Tag im Mundo de niños umarmte mich nochmal jedes Kind und wünschte mir alles gute. Am Morgen zuvor verkündeten die Zoomitarbeiter mir, Sie hätten eine Überraschung für mich geplant und ich solle nach meiner Tätigkeit im Mundo de niños vorbei schauen. Sie hatten als Überraschung ein Fußballturnier für mich am örtlichen Fußballplatz mit all ihren Familienmitgliedern und Freunden organisiert. Als mich am nächsten Tag meine Gastschwester zur Busstation in Trujillo brachte und ich unbekümmert in den dort abfahrenden Bus steigen wollte, warteten in der Eingangshalle viele meiner peruanischen Freunde und deutsche Freunde von anderen Organisationen die ich kennengelernt hatte, um mir bei der Abfahrt zuzuwinken. Ein Abschied, den ich so schnell nicht vergessen werde. Alles in allem war meine zeit in Peru eine unglaublich schöne Erfahrung und ich hoffe, sobald wie möglich wieder in dieses tolle Land zurückzukehren. Trotz der kurzen Zeit hatte ich das Gefühl, eine neues Zuhause gefunden zu haben. Und ich halte mit vielen meiner peruanischen Freunde Kontakt. Ich hoffe, ich konnte Euch einen kleinen Einblick bieten. Auch wenn es unmöglich ist alles aus dieser für mich unvergesslichen Zeit aufs Blatt zu bringen, hoffe ich hier das Wichtigste festgehalten zuhaben. Ein großes Dankeschön an Sebastian und Kai von „Peru in Farbe“ die mir diese Erfahrung ermöglicht haben, mir immer zur Seite standen, wenn es notwendig war und in Trujillo eine tolle Arbeit initiiert haben. Mir war es wichtig mit einer Organisation zu reisen, bei der man nicht nur irgendein Freiwilliger ist, sondern individuell betreut wird und bei der der Profit nicht an erster Stelle steht. Ich kann sagen, dass ich mit „Peru in Farbe“ so eine Organisation gefunden habe und während meines Aufenthaltes rundum zufrieden war. Ein Abenteuer, dass ich noch lange im Kopf behalten werde. Hasta la vista!

 

Joshua
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