Doreen hilft in Förderschule

Dorren hilft in Förderschule
Mein Reisebericht

Seit Anfang des Jahres war eine Reise nach Peru geplant, um dort eine Freundin zu besuchen und später reisen zu gehen. Ziemlich bald nach meiner Ankunft in Trujillo besuchte ich für 2 Monate Spanischunterricht an der Universidad Nacional de Trujillo und entdeckte dort einen Aushang der deutschen Organisation „Peru in Farbe“. Eigentlich suchten sie Spanischlehrer_innen. Im Internet recherchierte ich über die Organisation und fand heraus, dass diese auch Projekte in ein paar peruanischen Städten hat und Freiwillige in diese Projekte vermittelt. Bald darauf meldete ich mich per Mail bei Peru in Farbe, um mein Interesse an einem Projekt an einer Schule für Kinder mit geistiger und/oder körperlicher Behinderung zu äußern. Tags drauf wurde ich an den peruanischen Koordinator vermittelt, der die weiteren organisatorischen Schritte übernahm. Im Laufe von nur drei Tagen war ich an der Schule als Freiwillige beschäftigt.

Einsatzort

Die Schule „Santo Toribio“ ist eine Schule fuer Kinder mit Behinderungen. Die Altersspanne verlaeuft von circa 3 bis 20 Jahren. Die meisten Kinder haben das Down-Syndrom oder Autismus. Die Schule befindet sich ausserhalb des Stadtzentrums, in einem aermeren Viertel names Florencia de Mora. Die Schule an sich ist sehr schoen gestaltet, sodass es eher an einen Garten erinnert, als an eine typische Schule. Die Klassenräume befinden sich in kleinen Aulen und es sind maximal 12 Kinder in einer Klasse, was die Zusammenarbeit sehr angenehm macht und die individuelle Foerderung eines jeden Kindes gewährleistet.

 

 

Meine Erfahrungen 

Die Schule beginnt immer um 8 Uhr, wobei sich montags alle Klassen gemeinsam auf dem Schulhof treffen und dort die sogenannte „formación“ zu praktizieren, dass heisst, die Nationalhymne singen, um die Woche zu beginnen. Ich war die gesamten vier Wochen bei Roger in der Klasse. Roger ist Grundschullehrer und seit 12 Jahren an der Schule beschaeftigt. Seine Klasse umfasst 11 Kinder im Alter von 12 und 13 Jahren. Der Tagesablauf war folgendermassen strukturiert, sodass den Kindern und auch mir immer bewusst war (dank eines Stundenplans!), wo wir uns gerade befinden und was danach folgt:

 

8 bis 10 Uhr 

1. Stuhlkreis bilden
2. Gemeinsames Erarbeiten des aktuellen Datums
3. Begrüßung: jedes Kind begrüßt die anderen aus der Klasse mit Handschlag oder Umarmung, Schulterklopfen oder Lauten
4. Gebet
5. Singen und Tanzen
6. „Arbeiten“

 

10 Uhr

7. Gemeinsames Mittagessen im Klassenraum

 

11 bis 12:30 Uhr 

8. Spielen (Spielplatz)

 

12:30 Uhr

9. Abholung der Kinder (Familie oder Schulbus)

 

Zu Punkt 6. „Arbeiten“: Das „Arbeiten“ wurde stets zielgruppen-, alters- und ressourcenorientiert gestaltet, sodass die Individualitaet eines jeden Kindes gefoerdert wurde und aufgrund drei verschiedener Fachgebiete auf die Vorlieben und Stärken der Kinder eingegangen werden konnte. Bei den drei Foerderungsgebieten handelt es sich um die folgenden:

1. Mathematik (Legespiele mit Zahlen, Zahlen ordnen etc.)
2. Sprachbildung (Buchstaben- und Wörterkarten)
3. Finger- und Handkoordination (Wäscheklammern, Lego, Perlen auf eine Schnur aufreihen etc.)

 

Zudem fand jeden Donnerstag „educación física“ (Sport) statt. Die ersten zwei Male bestand dies jedoch nur aus dem Wiegen (Koerpergewicht) und Messen (Koerpergroesse) der Kinder, sodass von Bewegung nicht viel zu sehen war. Doch in der zweiten Woche war das anders. Es wurde ein Hindernisparcour, bestehend aus Leitern, Schwebebalken, Matten und Treppen, aufgebaut, den die Kinder (mit oder ohne Hilfe) begehen mussten. Ich war ziemlich erstaunt, wie sicher (Koordination) die Kinder den Parcour meisterten.

 

 

Allgemein

Da Roger ein sehr erfahrener Lehrer ist, konnte ich in den vier Wochen viel von ihm lernen. Er wusste in jeder Situation, wie er mit den Kindern umgehen muss. Sie wussten genau, wo Roger die Grenzen setzt und diese wurden meistens auch eingehalten, sodass die gesamte Zeit eine angenehme, entspannte und ruhige Arbeitsatmosphaere herrschte. Da ich neu in dieser Umgebung war, haben die Kinder anfangs versucht, die Grenzen von Roger bei mir zu ueberschreiten. Deshalb ist es wichtig, von Anfang an eigene Grenzen zu setzen, sie den Kindern klar zu machen und konsequent einzuhalten. Bei einem Jungen aus der Klasse, der etwas unruhiger war und teilweise aggresiv wurde, ist mir dies anfangs sehr schwer gefallen. Doch mit ganz klaren Anweisungen, Regeln und Grenzen hat es nach einer Woche auch mit uns sehr gut funktioniert.

 

Die vier Wochen haben mir unglaublich gut gefallen, wobei ich empfehle, dass gewisse Spanischkenntnisse vorhanden sein muessen. Vor allem im Bezug auf Regeln und Grenzensetzen ist es meiner Meinung nach wichtig, dass diese klar formuliert werden koennen, damit diese auch verstanden und vor allem eingehalten werden koennen. Das war ebenfalls eine Anfangsschwierigkeit. Ansonsten empfehle ich die Schule jedem weiter, der Interesse an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen hat und am besten schon eigenen Erfahrungen in diesem Arbeitsbereich mitbringt.

 

Doreen
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