Sarah im Archäologie-Projekt

Sarah in Túcume
Einblicke in eine Andere Welt

Als ich im September 2015 im Flieger nach Peru saß und die Abschiedsbriefe meiner Lieben durchlas, wusste ich, dass dieses Abenteuer mein Leben verändern würde. Aus Interesse, Neugier und Abenteuerlust wollte ich nach Peru reisen. Schon bei der Ankunft in Lima fielen mir so viele Unterschiede auf, sei es nur die Flughafentoilette oder die Handhabung des Straßenverkehrs. Ich wurde von einem netten Peruaner zusammen mit einer anderen Volontärin aus Deutschland abgeholt und verbrachte meine erste Nacht in Lima in einem heimeligen Hotel.

Am nächsten Tag

gings weiter mit dem Bus: 12 Stunden nach Chiclayo. Die Fahrt verging jedoch sehr schnell, da ich viel schlief und mich die restliche Zeit nett mit den Peruanern, die neben mir saßen, unterhielt. In Chiclayo holte mich Oscar ab und es ging weiter ins ländlichere Dorf – Túcume. Dort wurde ich sehr nett von einer jungen Familie mit einem dreijährigen Kind empfangen. Ich hatte mein eigenes Zimmer, mit dem ich sehr zufrieden war. Die Familie gab mir drei Mal am Tag zu essen und währenddessen redeten wir oft stundenlang. So konnte ich dort schon sehr viel über das Leben und die Kultur erfahren und dabei mein Spanisch verbessern.

 

 

Einige Tage später

begann dann meine Arbeit im Museum von Túcume. Ich erhielt eine persönliche Führung von meinem späteren Arbeitskollegen. Der Museumskomplex besteht aus 26 Pyramiden auf einem Territorium von über 200ha. Es wurden dort archäologische Artefakte der Lambayeque-, Moche-, Chimú- und Inka-Kultur gefunden, was meine Arbeit sehr spannend machen sollte. Zuerst arbeitete ich zusammen mit einem Archäologen in der Katalogisierung der Keramiken. Das war eine sehr interessante Arbeit, die aus Abwiegen, Abmessen und Beschreiben der Keramiken bestand. Nebenbei erzählte mir der Archäologe alles was er über die einzelnen Kulturen wusste, wie man erkennt, von welcher Kultur eine Keramik stammt, und was die archäologische Arbeit sonst noch so ausmacht. Ich hatte das Glück, dass während meines Aufenthalts gerade eine Ausgrabung stattfand, bei der ich mitwirken und zusehen durfte, und mein erstes Artefakt selbst ausgrub. Es wurden auch Skelette gefunden und meine zahllosen Fragen freundlich beantwortet. Mit meinen Arbeitskollegen baute sich eine gute Freundschaft auf und wir gingen gemeinsam auf das Konzert von Corazón Serrano, einer in Peru sehr bekannten Musikgruppe. Sogar beim Fortgehen sollten mir Unterschiede auffallen, wie zum Beispiel das gemeinsame Trinken aus einem Becher und die Opfergabe von den letzten paar Biertropfen an die Patchamama.

 

 

Später arbeitete ich dann mit einem anderen Arbeiter zusammen in dem großen Lagerraum des Museums. Dort nahmen wir die gefundenen Artefakte an und reinigten sie. Das Spannendste war, als dann laufend neue Skelette kamen: wir reinigten diese und untersuchten ihre Todesursache, Alter und Geschlecht. Von der Arbeit im Museum habe ich sehr viel mitgenommen; neben umfangreichem Wissen über die Kulturen und die Archäologie auch einige Freundschaften. Nach der Arbeit fuhr ich gerne in die Stadt Chiclayo um das Leben der zahlreichen Märkte zu erkunden. Da ich den Menschen aus Túcume auch etwas zurückgeben wollte, gab ich zwei Mal die Woche für Kinder und Erwachsene Englisch- und Karateunterricht, was mir große Freude bereitete. Übers Wochenende fuhr ich meistens weg, um mir die umliegenden Städte anzusehen oder ans Meer zu fahren. Mit meiner Gastfamilie bin ich heute noch fast täglich in Kontakt, sie sind für mich wie eine zweite Familie geworden. Dank meiner Gastmutter konnte ich auch ein paar Tage nach Lima fahren, bei ihren Verwandten dort wohnen und mir von ihnen die Stadt zeigen lassen. Ich fühlte mich wirklich sehr wohl.

 

 

Nach meinem Aufenthalt in Túcume verbrachte ich Silvester mit einer Freundin in Chiclayo auf einem Konzert und flog am nächsten Tag weiter nach Cusco. Ich setzte meine Reise durch Cusco später in Puno und Arequipa fort. Abschließend lässt sich sagen, dass ich während der vier Monate in Peru sehr viel über die Welt, das Leben und die Menschen gelernt habe, selbst auch sehr viel selbstständiger und reifer geworden bin. Peru ist zu meiner zweiten Heimat geworden und ich möchte bald wieder dorthin. Natürlich habe ich mich auch mal in gefährlichen Situationen befunden, doch war niemals allein, denn ich hatte immer gutmütige Peruaner um mich herum. Das Land ist voller Leben, Liebe und unglaublich schöner Orte – ob man im Meer baden, auf den Bergen wandern oder das Landleben der einfachen Leute genießen will. Es ist so vielfältig und hat so viel zu bieten, deshalb könnte es dort nie langweilig werden. Für mich war es eine Erfahrung, die meine Sicht auf die Welt, das Leben und die Menschen verändert hat, denn eigentlich beschränkt es sich auf die wenigen und einfachen Dinge, um im Leben glücklich sein zu können.

 

Vielen Dank an die Organisation Peru in Farbe, die meinen Aufenthalt so gut organisiert hat und mir dieses Abenteuer erst ermöglicht hat.

 

Sarah
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