Saskia hilft in Förderschule

Saskia im Kinderprojekt
Mein 1. Tag:
An meinem ersten Projekttag war ich wirklich sehr aufgeregt. Schon allein die Busfahrt war ein Abenteuer für sich, da es hier keine Bushaltestellen gibt muss man sich ziemlich gut orientieren und markante Punkte einprägen. In der Schule angekommen bekam ich erstmal eine Führung über das ganze Gelände und eine kurze Vorstellung in jeder Klasse. Die Lehrer arbeiten stark nach dem Montessori Konzept -„Hilf mir es selbst zu tun“ und haben den Großteil ihres Materials selbst hergestellt. Schon hier konnte ich erahnen, wie viel Kreativität in ihrer Arbeit steckt. Das Motto dieser Schule lautet: Wir bereiten für das Leben vor. Das bedeutet, dass alle diese Kinder mit geistiger und teilweise auch körperlicher Behinderung/Entwicklungsstörung eine gewisse Selbstständigkeit erlernen sollen. Hierfür gibt es auch spezielle Werkstätte, in denen die Jugendlichen ein Handwerk erlernen, mit dem sie später ihr Geld verdienen können: Bäckerei, Textilherstellung, Druckerei, Schreinerei, alltägliches Leben und Handarbeit.

 

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Mit jedem Tag

fühlte ich mich etwas sicherer was meinen Schulweg betraf, aber das war auch die einzige Routine die ich hatte, in der Schule glich kein Tag dem anderen. Zunächst war ich darüber etwas enttäuscht, da ich von der täglichen Routine und Struktur, auf die hier so viel Wert gelegt wird nicht so viel merkte. Schnell fand ich aber heraus,wer der Übeltäter dafür war: Das Phänomen ‚El Niño‘. Hierbei handelt es sich um die untypisch starke Erwärmung des Pazifiks, warme und kalte Strömungen vermischen sich und es kommt zu starken Niederschlägen und Winden. Dieses Phänomen tritt alle 2 bis 7 Jahre im Dezember im starken und auch gefährlichen Ausmaß auf und trägt im Bezug auf Jesus den Namen „El Niño“, was auf deutsch „das Kind“ bedeutet.

 

Als Sicherheitsmaßnahme wird der Unterricht verfrüht beendet, statt bis Ende Dezember findet er dieses Jahr nur bis Ende November statt. Demnach wurden jegliche weihnachtliche Vorkehrungen und Festlichkeiten und andere Veranstaltungen, die typisch für das Ende des Schuljahres sind, nach vorne verschoben. Dadurch bekam ich aber auch einen tollen Einblick in die kreative Arbeit dieser Schule: vermeintlicher Müll wird recycelt, CDs oder Autoreifen werden zu Weihnachtsbäumen umfunktioniert und aus Flaschen werden Pflanzentöpfe hergestellt. Außerdem wurde die ganze Schule weihnachtlich geschmückt und dabei gleichzeitig noch motorische Fertigkeiten geschult.

 

 

Das Klima

in dieser Schule ist sehr herzlich, freundschaftlich und hilfsbereit. Die Lehrer stecken wahnsinnig viel Liebe in ihre Arbeit, haben unermüdbare Geduld und wissen sich in jeder Situation zu helfen! Das konnte ich von mir nicht unbedingt behaupten… Obwohl ich fließend Spanisch spreche, hatte ich so meine Schwierigkeiten: Wie reagiere ich, wenn die Kinder nicht auf mich hören? Wie alle Kinder, haben sie auch bei mir ihre Grenzen ausgetestet. Und diese den Kindern auf einer anderen Sprache zu vermitteln ohne ihre ganzen Namen zu kennen, soll gelernt sein. Was mache ich, wenn ich mich gewissen Aufgaben nicht gewachsen fühle? Und wie vermittel ich den Lehrern mein Fachwissen ohne die jeweiligen Fachausdrücke auf Spanisch zu kennen? Aber man wächst mit seinen Aufgaben und so habe ich jeden Tag etwas Neues dazu gelernt.

 

Da in dieser Schule helfende Hände dringend benötigt werden bin ich zunächst immer in den Klassen eingesprungen, wo ich gebraucht wurde. Diese Aufgabe hat mich aber wenig befriedigt, da ich doch mein logopädisches Wissen einbringen und in dieser Hinsicht eine Bereicherung für die Schule sein wollte. Daher verbrachte ich den Großteil meiner Zeit mit zwei Lehrerinnen, die sich auf die Sprache und die kognitive Entwicklung spezialisiert haben und Einzeltherapie mit den Kindern durchführen. Zu ihnen kommen so genannte Inklusions-Kinder, Kinder die eine Regelschule besuchen aber in gewissen Bereichen spezielle Förderung brauchen oder auch Kinder, die in Zukunft Regelschulen besuchen sollen. Hierbei konnte ich mich auf ein Kind allein konzentrieren und mein Fachwissen gut einbringen. Insbesondere bei der Arbeit mit gehörlosen Kindern habe ich viel dazu gelernt und konnte theoretisches Wissen, das ich in meiner Ausbildung gelernt hatte, in die Tat umsetzen und Ideen weiterentwickeln. Zusammen mit diesen zwei Lehrerinnen besuchte ich die Inklusions-Kinder auch in ihren Schulen um einen Einblick in ihren Schulalltag zu bekommen und mögliche Schwierigkeiten zu besprechen. Außerdem begleitete ich einige Kinder zu einem weihnachtlichen Malwettbewerb, nahm an einem Marsch zur Gleichberechtigung behinderter Kinder teil, verkaufte mit einigen Schülern hauseigene Gebäckstücke an anderen Schulen und durfte einen ehemaligen Bürgermeister der Stadt kennenlernen, der diese Schule stark unterstützt.

 

Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass ich diese Schule in einem gewissen „Ausnahmezustand“ kennen gelernt habe, denn so durfte ich viele verschiedene Facetten von Santo Toribio entdecken.

Vielen Dank an das Team von Peru in Farbe

 

Saskia
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